Die Sweetland-Orgel in der Barbarakirche

Die nachfolgenden Informationen zur Sweetland-Orgel sind der  Festschrift entnommen, die anlässlich der Einweihung der Sweetland-Orgel in der Barbarakirche Unterjesingen am 6. März 2011 erstellt wurde.

Bereits im Jahr 1996, als der Innenraum der Kirche renoviert und die „neue Sachlichkeit“ der Renovierung von 1964/65 – der auch die äußerliche Gestaltung der vorherigen Stehle-Orgel angepasst war – weitgehend zurückgenommen wurde, bestand die Absicht, diese alte Orgel zu ersetzen. Die neobarocke Klangkonzeption entstammte stilistisch der inzwischen als überholt anzusehenden sogenannten Orgelbewegung mit ihrem spitz-obertönigen Klangideal.

Es fehlten insbesondere tragfähige grundtönige Register sowie jegliche Zungenregister in den Manualen. Hinzu kamen technische Defekte, sodass eine Renovierung mit Umbau nicht geeignet schien, die vorhandenen Defizite zu beheben. Deshalb hatte auch der Orgelsachverständige der Landeskirche Prof. Volker Lutz in seinem Gutachten von 2003 für die Anschaffung eines neuen Instruments plädiert. Im selben Jahr beschloss der Kirchengemeinderat nach einer Orgelbesichtigung, den Kauf einer Orgel mit elektronischer Klangerzeugung möglichst zu vermeiden, den man aus Kostengründen zeitweise in Betracht gezogen hatte. Damals bestand aus Spenden für eine neue Orgel immerhin bereits ein Fonds in Höhe von 43.000 Euro. Da nach einem Spendenrundbrief mit dem Angebot von Pfeifenpatenschaften an alle Unterjesinger fast 16.000 Euro an Spenden zugunsten des Orgelfonds eingegangen waren, wurde vom Kirchengemeinderat beschlossen, eine Pfeifenorgel zu erwerben. Der Orgelfonds wuchs in der Folgezeit bis Anfang 2009 auf fast 80.000 Euro an.

 

Der Versuch, über einen bayrischen Orgeldenkmalpfleger kostengünstig ein historisches Instrument zu erwerben, blieb letztlich mangels geeigneter Instrumente erfolglos. Überdies entstanden Unwägbarkeiten, weil die Restaurierung gesondert zu organisieren und zu beauftragen gewesen wäre. Im Frühjahr 2009 stieß die Kirchengemeinde dann auf das Angebot der Firma  Orgelbau Oppel aus Schmallenberg: Eine Orgel des englischen Orgelbauers  William Sweetland (1822-1910) aus dem Jahre 1896 inklusive kompletter Restaurierung stand zum Verkauf, die sich nach Bauart und Größe gut in den Chorraum der Barbarakirche einzufügen versprach. Über Verbindungen zur Neuapostolischen Kirche in Tübingen konnte eine von derselben Firma im Jahr 2009 aufgebaute, englisch-romantische Orgel in der Neuapostolischen Kirche Welzheim besichtigt werden. Prof. Volker Lutz hat anschließend die Sweetland-Orgel vor Ort in Schmallenberg begutachtet und den Kauf befürwortet. Laut seinem Gutachten handelt es sich um ein hochwertiges Instrument, das nach einer kompletten Restaurierung mit Erweiterungen in musikalischer Hinsicht und auch in der Beständigkeit einem Orgelneubau entsprechen kann.

Angedacht war zunächst mit dem Bestand des Orgelfonds lediglich die Sweetland-Orgel im restaurierten Zustand aber ohne Erweiterungen zu erwerben. Trotz der angespannten Finanzlage der Kirchengemeinde konnte aber schließlich die Orgel mit den wesentlichen Erweiterungen gekauft werden.

 

Für weitere Informationen über die Orgel empfehlen wir Ihnen außerdem den Artikel des  Schwäbischen Tagblatts vom 8. März 2011. Darüber hinaus steht Ihnen unser Organist Dr. Steffen Forschner für Fragen gerne zur Verfügung.

 

Ausstattung der Sweetland Orgel

Die im Stil der englischen Romantik erbaute Orgel (mechanische Ton- und Registertraktur, Schleifladen) wurde von William Sweetland, Bath wie folgt ausgestattet.

Great (= Hauptwerk / 1. Manual)

1. Open Diapason 8’ Prospekt und Innenpfeifen PbSn

2. Dulciana 8’ C-H gedeckt, Fichte/Tanne gemeinsam mit Nr. 3, ab c° PbSn (offen)

3. Clarabella 8’ C-H gedeckt, Fichte/Tanne gemeinsam mit Nr. 2, ab c° PbSn (offen)

4. Principal 4’ PbSn

5. Harmonic Flute 4’ PbSn, überblasend 

 

 

Swell (= Schwellwerk / 2. Manual)

6. Open Diapason 8’ C-g’’’ PbSn

7. Lieblich [Gedackt] 8’ gedeckt, C-H Fichte/Tanne, ab c° PbSn zugelötet, ab g° Rohrged.

8. Keraulophon 8’ C-H gedeckt, Fichte/Tanne gemeinsam mit Nr. 7, ab c° PbSn (offen)

9. Voix celeste 8’ ab c°, PbSn

10. Principal 4’ PbSn

11. Piccolo 2’ PbSn, überblasend

12. Oboe 8’ PbSn

 

Pedal

13. Bourdon 16’ gedeckt, Fichte/Tanne; C-f° im Prospekt (Bass- und Diskant-Seite) 

Koppeln

Swell to Great, Swell to Pedal, Great to Pedal

Spielhilfen

2 feste Kombinationen als mechanische Fußhebel