Die Barbarakirche Unterjesingen     

Die Lage der Kirche - hoch über dem alten Dorf Jesingen auf dem Gebiet des ehemaligen Herrenhofes - weist darauf hin, daß sie in ihren Vorgängerformen ursprünglich als Eigenkirche des Ortsherrn gegründet wurde. Es muß offen bleiben, ob das schon um 700 oder erst im 11. Jahrhundert erfolgte.

Erbaut wurde die Barbara-Kirche in der jetzigen spätgotischen Form von 1475-1484 unter ihrem Bauherren Graf Eberhard V im Barte und der Uracher Bauschule, die im Dienste des Grafen viele Kirchenbauten ausführte, die als gemeinsames Merkmal Apostelkonsolen als Träger des Chorgewölbes aufweisen. Der Turm zeigt eine nahe Verwandtschaft mit dem zur gleichen Zeit erbauten Turm der Tübinger Stiftskirche. Der 1477 vollendete Chor, das Sakramentshäuschen von 1475, der Turmhahn von 1567 und die Kanzel aus dem 16. Jahrhundert gehören zu den ältesten Ausstattungsstücken unserer Kirche. Das mit schönem Rippennetz überspannte Chorgewölbe mit den drei bemalten Schlußsteinen (Maria mit dem Jesus-Kind; Barbara als Kirchenpatronin; Veronika mit dem Schweißtuch Christi) sowie die Holzdecke von 1894 sind bei der letzten Renovierung 1996 liebevoll restauriert worden. Von den Grabsteinen sind leider nur zwei in der Kirche und so vor der Verwitterung geschützt. Im Außenbereich der Kirche befinden sich weitere Grabplatten.

Zur Namensgeberin Barbara:                                                                

Barbara lebte einer Legende nach als Tochter des Dioscuros am Ende des 3. Jahrhunderts im kleinasiatischen Nikomedia (heute Izmit), nach einer anderen in Heliopolis (heute Baalbek im Libanon). Ihr Vater wird von den verschiedenen Versionen als König, oder zumindest reicher Kaufmann, oder als Angehöriger der kaiserlichen Leibgarde betrachtet.

Nach der Legende war sie eine sehr schöne und kluge junge Frau, so dass viele Männer aus Nikomedia um ihre Hand anhielten. Barbara aber wollte nicht heiraten. Sie wies die Verehrer zurück, denn sie spürte, dass es ihr in ihrem Leben um etwas anderes ging.

Die junge Frau besuchte eine Gruppe junger ChristInnen, die sich trotz der Christenverfolgung durch den Kaiser heimlich trafen. Barbara lernte dort das Evangelium kennen und machte Bekanntschaft mit einem christlichen Theologen. In langen Gesprächen kam sie zu der Erkenntnis, dass auch sie christlich leben wollte.

Barbaras Vater Dioscuros versuchte seine Tochter von der Außenwelt abzuschirmen, um die heranwachsende junge Frau den Blicken der Umwelt zu entziehen, und sperrte sie in einen eigens dafür gebauten Turm (nach manchen Versionen aus Eifersucht, nach anderen Erzählungen sollte Barbara mit einem Jüngling aus dem Kaiserhof verheiratet werden). Hauptgrund für das Einsperren des Mädchens war aber eindeutig der verzweifelte Versuch des Vaters, Barbaras Zuwendung zum Christentum zu verhindern.

In der Abgeschiedenheit ihres Turm-Gefängnisses bekannte sie sich gegen den Willen des Vaters zum Christentum. Der Vater versuchte, sie mit Marterungen und Peinigungen zurück zu bekehren, doch dies bestärkte sie noch in ihrem Glauben. In den Turm (einer anderen Legende zufolge im angrenzenden Badehaus) ließ sie ein drittes Fenster hinzufügen - als Zeichen der Dreieinigkeit Gottes. Vom Heiligen Geist erleuchtet, ließ sich Barbara in einem heidnischen Opferbecken taufen. Als der Vater davon erfuhr, beschloss er, seine Tochter zu töten. Barbara konnte in einen Felsspalt fliehen, der sich wie durch ein Wunder vor ihr öffnete.

Der Vater fand seine Tochter, schlug sie und brachte sie zum römischen Statthalter Marcianus, der sie zum Tode verurteilte. In der Stadt wurde sie schließlich grausam misshandelt. Letztendlich enthauptete der Vater seine Tochter selbst, wurde vom Blitz getroffen und verbrannte.

Seither gilt in der röm-katholischen Tradition Barbara als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit - und gehört zu den 14 Nothelfern. Auf Bildern wird sie oft mit dem Attribut Turm dargestellt. Die Beziehung von Barbara zum Bergbau wird laut Legende durch das Motiv des Felsens dargestellt, der sich öffnet und Barbara verbirgt (die Aufgabe des Bergbaues ist die Öffnung der Erde). Sie soll helfen gegen Gewitter, Feuergefahr, Fieber, Pest und plötzlichen Tod.  Sie ist in der röm-kath. Kirche die Schutzheilige der Bergleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Feuerwerker, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen.

Die zwei anderen Schlußsteine:

          Maria mit dem Jesus-Kind                                                                               Veronika mit Schweißtuch Christi